Neubesohlung für Meindl und Lowa

Jeder kennt es oder kennt jemanden dem es schon passiert ist. Die Sohle vom Wanderschuh löst sich auf oder komplett vom Schuh ab. Dieser chemische Prozess nennt sich Hydrolyse.

Hier haben sich die Weichmacher verflüchtigt, die im Wanderschuh für die Dämpfung zuständig sind. Diese Hydrolyse tritt oder kann bei allen Wanderschuhen mit einem PU-Dämpfungskeil ab einem Schuhalter von 6-7 Jahren auftreten, nicht jedoch bei den alten ,,Zwiegenähten“ Schuhen, die keine Dämpfung haben und deshalb eingelaufen werden müssen. Der altersbedingte chemische Zerfall ist absolut nutzungsunabhängig und tritt auch bei optimaler Lagerung der Schuhe auf. Unsere Erfahrung hat sogar gezeigt, dass gerade bei Wanderschuhen, die nur selten genutzt und sehr lange gelagert werden, der Zersetzungsprozess früher auftritt, als bei regelmäßig getragenen Schuhen ,,Wer rastet, rostet“. Es ist also eine normale Materialalterung, vergleichlich Autoreifen, Skistiefel oder Helmen. Zudem gilt, dass es absolut herstellerunabhängig ist und bei allen Schuhen mit PU-Dämpfungskeil auftritt.
Es ist kein Zeichen von verminderter Qualität oder Verarbeitungs- oder Herstellungsfehlern. Die Hydrolyse zeigt sich zunächst mit kleinen Rissen in der Sohle und kann bis zum kompletten Abriss führen.

LOWA und MEINDL bieten dafür eine kostenpflichtige Neubesohlung an und die Hersteller empfehlen den Schuh ab einem Alter von 8 Jahren zur Überprüfung einzuschicken. Möglich ist dies allerdings nur bei ,,gezwickten“ Schuhmodellen. Wir überprüfen auch gerne das Alter Ihres Schuhs, denn ein sich auflösender Schuh gehört nicht sofort in die Tonne. Bei gut gepflegtem Oberleder ist eine Neubesohlung auf jeden Fall möglich. Bei der Neubesohlung wird ein neuer Geröllschutzrand, PU-Dämpfungskeil und eine neue Gummilaufsohle aufgezogen. Herstellerabhängig kommen zudem neue Schnürsenkel, Einlegesohlen und eine gründliche Wachspflege dazu. Die Preise können bei uns im Haus erfragt werden. Zudem können wir ein geschultes Auge auf Ihren Schuh werfen um das Alter und die aktuelle Qualität des Schuhs bzw der Sohle zu bestimmen und Ihnen bei der Entscheidung bezüglich Neubesohlung ja-nein weiterzuhelfen. Ein Tipp unseres Hauses ist, dass sie vor einer größeren Tour den Wanderschuh zwei Wochen vorher im Alltag zu tragen und die sogenannte ,,Druckprobe“ zu machen. Wenn die Sohle noch flexibel und elastisch ist, besteht kein Grund zur Sorge, die Weichmacher sind noch vorhanden, die Sohle hält. Falls nicht, ist noch genug Zeit für einen neuen Schuh.
Um dieser ganzen Prozedur vorzubeugen ist es wichtig den Schuh so gut wie möglich zu pflegen. Wichtigster Punkt ist, dass der Schuh keiner direkten Hitze ausgesetzt werden darf. Das greift zum einen das Obermaterial wie Leder aber auch die Sohlenkonstruktion an und trocknet es sozusagen aus. Bei nassen Touren empfiehlt sich daher, die Schuhe mit aller Gewalt zu trocknen. Ein auf wasser besierende Imprägnierung und Pflege ist dort sinnvoller und förderlicher für die Qualtitätserhaltung des Schuhs. Zudem kommt die Pflege des Innenschuhs, da das Material dort durch das Salz im Schweiß besonders angegriffen werden. Die Tipps sind das Material entweder nach der Tour mit ein wenig Wachs oder einer einfach Hautcreme zu bearbeiten. Das Außenleder sollte mit viel Wachs eingearbeitet werden, um das Material geschmeidig und strapazierfähig zu halten. Um den Schuh weiterhin von außen zu schützen kann man, passend zum Schuh, eine Imprägnierung benutzen. Wichtig ist, dass bei einem GoreTex Schuh ein geeignetes Spray genutzt wird, da sonst die Atmungsaktivität in Mitleidenschaft gezogen wird.

Über 10.000 Neubesohlungen führt die Service-Werkstatt von Lowa in Jetzendorf jährlich durch. Tendenz kontinuierlich steigend. Denn immer mehr Besitzer von klebegezwickten Lowa Schuhen nutzen dieses Angebot, um ihre liebgewonnenen Schuhe weiter nutzen zu können. Viele Briefe dankbarer Endverbraucher erreichen Lowa nach der Neubesohlung, wie Arthur Kudelka, Leiter der Lowa Service-Abteilung, zu berichten weiß.

Nun hat Lowa einen Videofilm gedreht, der anschaulich zeigt, welchen Aufwand der Berg- und Outdoor-Schuster aus dem bayerischen Jetzendorf betreibt, um die Schuhe wieder auf Vordermann zu bringen und mit einer neuen Sohle zu versehen. Gleichzeitig ersetzen die Schuhmacher bei Lowa auch den Abriebschutz am Schaft und hübschen die teilweise reichlich in die Jahre gekommenen Schuh so auf, dass man ihm sein echtes Alter nicht unbedingt ansieht.